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Toubabou in Bamako - als Designlehrerin in Mali

Ein Reisebericht

„Mode Supérieure“, also „höher qualifizierte Mode“ heißt das Weiterbildungsprojekt, das die malische Designerin Mimi Konaté mit Hilfe von EU-Fördergeldern ins Leben gerufen hat. Das Ziel: Die Ausbildungsqualität auf dem Modesektor in Mali zu verbessern. Mit Unterstützung des WeltGewänder-Netzwerks der Deutschen Welthungerhilfe konnte Konaté zwei Dozenten aus Deutschland für den Unterricht gewinnen. Susanne Kreuz, Leiterin des Modebereichs an der Berliner BEST-Sabel-Berufsfachschule für Design war die erste: Zweieinhalb Wochen lang unterrichtete sie malische Schneiderschüler. Untergebracht war sie bei der Initiatorin des Projektes, Mimi Konaté, und bekam so den westafrikanischen Alltag hautnah mit. Hier ein Auszug aus ihrem Reisetagebuch:

„Mimi Konaté gilt in Mali als Ausnahmeerscheinung. Sie ist 36 Jahre alt, Modedesignerin, Muslimin, unverheiratet und kinderlos. Sie lebt in einem kleinen Appartement mit europäischem Standard. Zum Innenhof schließen sich die Wohnungen ihrer Familie an. So auch ihr Atelier, in dem sie drei Schneider beschäftigt. Hier lebt man in der Gemeinschaft. Individualismus oder gar verschlossene Türen sind nicht gerne gesehen.

Stark beeindruckt hat mich die Freundlichkeit, mit der ich als Europäer empfangen wurde.
Schon nach 2 Tagen konnte ich meine Nachbarn auf Bambara begrüssen: „anisogoma“, das heißt „Guten Tag“. Auf meinem täglichen Weg zur nahe gelegenen Schule folgten mir neugierige Kinder mit strahlenden Augen und den Worten „toubabou“, „toubabou“. Zunächst dachte ich, es wäre eine geheimnisvolle Kindersprache. Mimi lachte und erklärte mir, dass es „la blanche“ – „die Weiße“ hieße.

Mein Unterrichtskonzept hatte ich „jeu de géométrie“ genannt. Die Schüler sollten lernen, wie man geometrische Grundformen, also Dreiecke, Kreise, Rauten u.ä., auf die Architektur des Körpers überträgt und sie als Grundlage für die Silhouette des Outfits einsetzt. Mimi Konaté übersetzte meinen Unterricht in Bambara – nicht alle Kursteilnehmer sprachen Französisch. Außerdem waren 4 Analphabeten in der Gruppe. Das war aber nicht problematisch, schließlich konnte ich mit Wandbildern arbeiten. Alle Kursteilnehmer waren hochmotiviert – viele von ihnen waren älter, als ich erwartet hatte, und bereits einige Zeit als Modeschneider tätig. Wir arbeiteten sogar samstags, um unsere Tableaux noch vor meiner Abreise fertig zu stellen. Diese spielerische Kreativität, mit der die Schüler aus wenigen Mitteln fantasievolle Ideen realisierten, war faszinierend.

Ich bekam viele Einblicke in die afrikanische Modekultur... Unsere Stoffrecherche führte mich zum „grand marché“. Der Markt ist ein echtes Einkaufsmekka für jeden Modedesigner! Hier konnte ich mir einen Eindruck über die unerschöpfliche Farben- und Dessinierungsvielfalt von angebotenen Baumwoll- und Damastgeweben verschaffen. Die Malier kaufen einfarbige Gewebe und lassen sie dann individuell einfärben und dessinieren. Somit ist jedes Modell ein Original, und keine homogen gefertigte Massenkonfektion. Die optimistische Farbigkeit der Textilien ist ein fester Bestandteil der afrikanischen Kultur. Gerade dieses spannungsreiche Spiel strahlender und leuchtender Farben auf prachtvoll geschmückten Gewändern hat mich als Modedesignerin stark beeindruckt. Doch auch die Globalisierung macht vor Mali nicht Halt. Auf den Straßen Bamakos sieht man ein kontrastreiches Form- und Farbenspiel von europäisierten Silhouetten im Mix mit traditionellen Ornamenten. Junge Frauen tragen auch Jeans und körperbetonte Tops. Die Traditionsgewänder, die „boubous“ werden meistens von reiferen Menschen zu festlichen Anlässen getragen.

Nach 10 Tagen widmeten wir uns unserer individuellen Modellgestaltung. Jeder Kursteilnehmer hatte aus den Entwürfen 2 Modelle ausgewählt, die realisiert werden sollten. Ziel der Weiterbildung war, nach insgesamt 6 Wochen ein Tages- und ein Abendmodell im Rahmen einer Modenschau vor einer Fachjury auf den Straßen Bamakos zu präsentieren.

Wir erarbeiteten farbige Tableaux für die ausgewählten Abend- und Tagesmodelle in einer Ölkreide-Collagetechnik. Weil uns keine Computer zur Verfügung standen, haben die Studenten die technischen Zeichnungen per Hand hergestellt – schließlich mussten wir der nachfolgenden Schnittdozentin, der Berliner Modedesignerin Romy Klein, Informationen über technische Details vermitteln.

Dieser Aufenthalt war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Er hat mich bestärkt, meine Schüler in Deutschland für die Wertschätzung fremder Kulturen zu sensibilisieren und mich im Zuge dessen für den internationalen Schüleraustausch und für Praktikumsplätze einzusetzen. Ich freue mich schon auf mein neues Projekt. Noch in diesem Jahr werde ich ein Institut für den internationalen Kulturaustausch gründen. Und das Projekt von Mimi Konaté geht auch weiter: Im nächsten Jahr wird sich ihr Weiterbildungsprogramm an Ausbilder wenden, längerfristig plant sie den Aufbau einer Modedesignschule.

Susanne Kreuz hat eine Spendenaktion für „Mode Sup“ ins Leben gerufen. Wer mit einer Sachspende (Nähgarn, Scheren, Nähmaschinen) oder Geldbeträgen das Weiterbildungsprojekt von Mimi Konaté unterstützen möchte, wendet sich an kreuz@best-sabel.de.

Toubabou in Bamako - als Designlehrerin in Mali

Datum: Juni 2007 
Ort: Bamako, Mali

www.best-sabel.de

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