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32 Tage als Designlehrerin in Mali - ein Interview mit Romy Klein

Romy, Du warst das erste Mal in Schwarzafrika. Was war Dein erster Eindruck?
Es ist sehr heiß, die Luft ist stickig und voller Gerüche, das ganze Leben spielt sich draußen ab. Auf der Straße wird gekocht, herumgesessen, Tee getrunken, geredet. Man ist selten allein. Die Gastfreundschaft und Freundlichkeit ist umwerfend. Ich war quasi Teil der Familie.

Was war Deine Aufgabe in dem Seminar "Mode Sup"?
Ich habe die Arbeit von Susanne Kreuz von der Best Sabel Berufsfachschule für Design fortgesetzt. Die Studenten hatten ihre Outfits auf dem Papier entworfen, jetzt sollten sie die kreative Arbeit in die Realität umsetzten. Auf dem Stundenplan standen also Schnittzeichnen, Maßnehmen usw. Ein wichtiger Teil meines Lehrgangs betraf auch die Organisation der Modenschau. Es war viel Arbeit, aber ein voller Erfolg! Alle Gäste, inklusive der anwesenden Minister waren begeistert.

Wie war es, in einem der ärmsten Länder der Welt zu unterrichten?
Die Ausstattung ist sehr beschränkt. Es gibt keine Industrie-Nähmaschinen, Zeichenmaterial ist rar oder unerschwinglich, alles außer Buntstiften haben wir selbst mitgebracht. Stecknadeln zum Beispiel hatten wir viel zu wenig – das Arbeiten damit kannten die Schüler gar nicht, in Mali nähen sie nach Augenmaß. Das Verwunderliche ist, es klappt trotzdem. Die Schüler konnten auch komplizierte Stickereien aus dem Kopf auf den für uns doch sehr ungewöhnlichen und steifen Bazinstoffe aufbringen, das hat mich sehr beeindruckt.

Was für Schwierigkeiten gab es, was war unkompliziert?
Das Zeitverständnis ist ganz anders, da muss man sich als Europäer erst einmal daran gewöhnen. Einige Schüler kamen regelmäßig zu spät zum Unterricht, da musste ich dann schon mal nachhaken. Allerdings haben viele auch noch ganz andere Aufgaben – die Kinder müssen versorgt, das Essen vorbereitet werden. Außerdem müssen sie sich ja auch um ihr eigenes Geschäft kümmern, immerhin habe ich fertig ausgebildete Modeschneider unterrichtet. Aber alle waren total neugierig, lernwillig und unglaublich enthusiastisch.

Wer waren Deine Schüler? Hast Du sie ein bisschen kennen lernen können?
Wir haben uns viel unterhalten, über Modedesign in Mali und Europa, aber natürlich auch über die privaten Lebenssituationen, die teilweise schwierig sind. Die 40jährige Oumou Korotimé muss vier Kinder versorgen, und ihr Mann will nicht akzeptieren, dass sie sich beruflich fortbildet. Oder Almoctar Diallo aus dem Doganland. Er lebt polygam mit zwei Frauen, obwohl er das eigentlich nicht möchte. Seine zweite Frau hat nur geheiratet, damit er nicht aus seiner Stammesgemeinschaft ausgeschlossen wird. Er wünscht sich 20 Kinder.... In einem waren sich alle Schüler gleich: Sie lieben ihr Land, ihre kulturellen Wurzeln und ihren Beruf. Sie möchten mehr Anerkennung für alle Modeschaffenden in Mali und die Unterstützung des Staates in Form von Krediten für die Gründung eines Kleinunternehmens.

Wie geht es weiter mit Mimis Projekt?
Es wird ausgebaut. Mimi will Ausbilder ausbilden. Nächstes Jahr soll hier eine Modeschule entstehen, die Modeschaffende aus Mali zu Dozenten weiterbildet. Die wiederum sollen dann die Lehrgänge für die Schneider übernehmen.

Was hat Dich am meisten beeindruckt?
Das Leben ist dort sehr einfach, das können wir uns das gar nicht vorstellen. Und doch sind die Leute glücklich, freuen sich über die kleinen alltäglichen Dinge. Sie sind stolz auf ihre Modekultur. Ihre farbenfrohe Kleidung, ihre lebendige Musik - das vermittelt pure Lebensfreude.

32 Tage als Designlehrerin in Mali - ein Interview mit Romy Klein

Datum: Juli 2007 
Ort: Bamako, Mali

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